Viele Patienten glauben, dass der Ort der Entstehung von Rückenschmerzen die Wirbelsäule selber ist. Aber die Annahme entspricht nicht den Kenntnissen über Anatomie und Neurophysiologie.
Meine Berufserfahrung unterstützt immer wieder die Kenntnis, dass die Wirbelsäule nur zu einem geringeren Teil, als betroffene Struktur und nicht die Ursache für Rückenschmerzen ist.
Die Wirbelsäule spiegelt uns den Gesundheitszustand des ganzen Menschen wieder.
Die Symptome werden sehr oft und einfach auf eine Bandscheibenschwäche zurückgeführt.
Bei Untersuchungen der Wirbelsäule durch bildgebende Verfahren wie CT, MRT und Röntgen, wird das Auge nur auf sehr beschränktes Gebiet gelegt: Bandscheiben, die Position der Wirbelsäule, der Spinalkanal, die Rückenmuskulatur und nur auf ein kurzes Stück von einem langen Spinalnerv.
Der weitere Verlauf des Nervs wird aber dabei übersehen und nicht berücksichtigt.
Knieschmerzen als Projektionsfläche einer Blockade im Körper.
Wenn wir uns die ganzen Nervenbahnen anschauen, stellen wir fest, dass sie in der Wirbelsäule am sichersten sind. Wirbelkörper, zahlreiche Bänder und Muskulatur verleihen der Wirbelsäule hohe Stabilität und Beweglichkeit. Ein Nerv, in so einem starken Gerüst wird geschützt. Die Gefahr, dass er in einem Zwischenwirbelkanal blockiert wird, ist viel geringer als weiter peripher, denn da hat er keinen Schutz mehr. Die Nervenbahnen liegen frei im Hals, in der Brust, im Bauch – Beckenraum und zwischen den Inneren Organen. Muskeln und Bändern sind permanenten Zug und Drückkräften ausgesetzt.
Sind die Kräfte in physiologischen Grenzen von Dauer und Intensität, sind wir schmerzfrei. Wird die Toleranzgrenze überschritten, nehmen wir die Reizung als Schmerz wahr. Und nicht am Ort wo der Nerv eingeklemmt wird, sondern in seinem Versorgungsgebiet, wie z.B. ein Nerv der die Kniegegend innerviert(versorgt), hat seinen Ursprung aus LWS 1-4. In seinem Verlauf kommuniziert er mit einigen Organen wie Niere, Dünndarm, Dickdarm, Urogenital, Gynäkologische Organe, Oberschenkel, tiefe Bauchmuskeln. Jede von diesen Strukturen kann bei gewissen Störungen den Nerv reizen und somit einen projizierten Knieschmerz auslösen.
Innere Organe können auf dem reflektorischen Wege einen höheren Tonus der Skelettmuskulatur erzeugen, sogenannte Myo-Viszerale Reflexe, somit die Muskulatur verspannen, Gelenke blockieren, Beweglichkeit einschränken und Schmerz verursachen. Jedes Organ wird aus dem Rückenmark, bestimmten Abschnitten der Wirbelsäule innerviert (versorgt). Jede Störung in den inneren Organen (Viszera) wird durch sensible Bahnen in das Rückenmark geleitet, wo es dann als Schmerzen empfunden wird.
Wie zum Beispiel Störungen im Unterbauch. Beckenorganen wird man als Schmerz in der unteren Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Kreuz, Steißbein, Gesäßmuskulatur oder unteren Extremitäten wahrnehmen. Oberbauch, Brustorgane in der mittleren und oberen Brustwirbelsäule, Halswirbel, Kopf, oberen Extremitäten.
Wird wärend der Untersuchung der Rückenschmerzen eine viszerale Beteiligung festgestellt, muss das betroffene Organ mit behandelt werden. Viszerale Osteopathie bittet dazu effektive Techniken um die Funktion zu verbessern und zu optimieren. Die Blockaden in Gelenken, Verspannungen in den Muskeln müssen ebenfalls behandelt werden, um so wenig wie möglich Spuren einer Dysfunktion im Körper zu hinterlassen.
Aber der Patient selbst, soll bereit sein einiges zu verändern um sein Zustand zu verbessern. Übermäßig Alkohol, fettes Essen, Süßigkeiten, unregelmäßige Mahlzeiten und vor allem zu spätes und reichliches Essen sind oft ein Grund für eine Organüberlastung und daraus folgende Schmerzen im Rücken.
Johann Fust
Osteopath, Heilpraktiker

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